Oder anders gesagt: Was Suchmaschinenbetreiber richtig (Webseiten aus Sicht des Menschen beurteilen) und Webseitenbetreiber falsch (Webseiten aus Sicht einer Suchmaschine erstellen) machen.
Von den Suchmaschinenbetreibern lernen und sie nicht verurteilen
Obwohl die Suchmaschinenbetreiber, allen voran Google, stetig bestrebt sind die Suchalgorithmen so zu verbessern, um dem Suchenden den für ihn passenden Content mit dem optimalsten Nutzererlebnis (User Experience) anbieten zu können, geht das Bestreben der Webseiten-Betreiber eher dahin ihre Webseiten so optimal wie möglich für die Suchmaschinen aufzubereiten. Angesichts des „Kampfes“ um die wenigen sichtbaren Plätze der Suchergebnisseite auch verständlich, jedoch sollte eventuell ein anderer Ansatz gewählt werden!
Mit dem Erscheinen des Google Panda-Updates Mitte August gab es (wieder einmal) einen Aufschrei in der SEO-Welt. Schnell wurde von Gewinnern, Verlierern und Betroffenen, sowie von Sünden, die es zu meiden gilt, gesprochen. Doch wer sind eigentlich die Betroffenen? Sind es diejenigen Webseiten, die nicht mehr unter den Top Ten Suchergebnissen zu finden sind oder sind die Betroffenen nicht eigentlich die Besucher von (sündigen) Webseiten, die nicht das Halten, was sie versprechen? … ich tendiere eher zum Letzteren.
Google als dominierender Suchmaschinenbetreiber möchte Webseiten so bewerten, wie es der Mensch tut. Denn Google möchte, dass die Nutzer seiner Software zufrieden mit der Suchmaschine sind. Daher passt der Suchmaschinenbetreiber unter anderem stetig seine Algorithmen zur Bewertung der Webseiten an. Andererseits muss Google seine Algorithmen ebenfalls anpassen, um Manipulationen entgegenzuwirken. Manipulationen entstehen z.B. dann, wenn Betreiber einer Webseite versuchen die Inhalte abweichend von den veröffentlichten Handlungsempfehlungen der Suchmaschinenbetreiber, durch Reverse-Engineering erworbenes Wissen, zu „optimieren“. Dieses Vorgehen lässt sich mit dem Benutzen Nicht-dokumentierter Funktionen einer API vergleichen. Solange die internen (Nicht-dokumentierten) Funktionenaufrufe der API nicht verändert werden, funktioniert alles wunderbar – bei Änderungen kann es sein, dass die bis Dato funktionierende Implementierung gar nicht mehr nutzbar ist.
Für mich ist SEO, wie sie derzeit oft (aber nicht überall) zur Anwendung kommt, vergleichbar mit der Nutzung Nicht-dokumentierter (Google)-Bewertungs-Algorithmen zur (manipulativen) Beeinflussung des Ergebnis-Rankings. Dadurch lassen sich gewiss Wettbewerbsvorteile erzielen, jedoch muss mit entsprechenden Konsequenzen (siehe Google Panda-Update) gerechnet werden.

User eXperience Optimization (UXO) statt SEO
Was Google mit dem Panda-Update deutlich gemacht hat, wünschen sich die Besucher von Webseiten schon lange – gute qualitative Inhalte (Content).
Content definiert sich nicht mehr allein durch Text und Bilder. Daneben haben Videos und Podcasts (Audio) an Bedeutung gewonnen – mittlerweile gibt es für alles ein Video. Diese verschiedenen Content-Elemente müssen zielgruppengerecht und optimiert für das jeweilige Ausgabemedium (Papier, Webbrowser, Mobil) zur Verfügung gestellt werden. Die gelungene Verknüpfung von Erwartungen des Nutzers und der Darbietung (inkl. Nutzung) von qualitativ guten Inhalten unter Berücksichtigung technischer Möglichkeiten schafft ein optimales Nutzererlebnis – der s.g. User Experience – und wird nicht nur vom Besucher sondern zukünftig auch von Suchmaschinen (noch stärker) positiv bewertet.
Ähnliches gilt auch für die Verbreitung (Vermarktung) des Content. Wie bei jedem anderen Produkt auch, zählt es nicht alleine ein gutes Produkt zu haben, es muss auch konsumiert/nachgefragt werden. Um eine möglichst große Verbreitung zu erreichen, ist es bspw. hilfreich eine Hohe Sichtbarkeit in Suchmaschinen zu erzielen. War dies von einiger Zeit noch das A und O so verändert sich die Bedeutung der Suchmaschinen beim Konsum erheblich. Laut einer aktuellen Bitkom-Studie (PDF) zur Nutzung digitaler Netzwerke nutzen ca. 76% der Befragten soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter mehrere Stunden täglich. Dabei steht nicht nur der Kontakt zu „Bekannten“, sondern auch das Konsumieren, Erstellen und Teilen von Informationen (Content) im Fokus der Nutzer.
Anders als von einigen SEO-Experten propagiert, führt das Google-Panda-Update (meines Erachtens) nicht dazu, dass man jetzt noch mehr mögliche KPIs und deren Bedeutung beim Ranking analysieren und berücksichtigen muss, sondern dazu, dass sich jeder Betreiber einer Webseite allumfassend und strategisch mit (s)einer Content-Strategie beschäftigen muss. D.h. welchen eigenen Content kann ich anbieten, wie kann ich diesen eventuell sinnvoll mit weiteren (externen) Content-Quellen (Stichwort: Content Aggregation) ergänzen, um einen Mehrwert zu schaffen und wie begeistere ich meine Leser/Zuschauer (Stichwort: User Experience)? Einen ersten sehr guten Einblick gibt der Autor Nicolai Schwarz in seinem Artikel „Conent is King“ (Schwarz, Nicolai: Content is King – Geld mit Inhalten verdienen, Ausgabe 11, Webstandards Magazin, 2011. ).
Fazit
Unter Berücksichtigung der zurückliegenden und zukünftigen Entwicklungen sollten sich Webseiten-Betreiber die Frage stellen, ob vergangene Optimierungsstrategien auch zukünftig Erfolg haben werden. Zwar wird SEO auch zukünftig von Bedeutung sein, jedoch in einer anderen als der jetzigen Form. Denn wie bei der Nutzung jeder anderen Software, benötigt man für die optimale Nutzung von Suchmaschinen einen Experten der sich damit auskennt. Bei der Nutzung sollte man sich jedoch auf die, vom Hersteller der Software, zur Verfügung gestellte Dokumentation beschränken. Somit ändern sich auch die Anforderungen, die an die SEO-Experten gestellt werden. Hier könnte die Entwicklung vom SEO-Experten zum SE-Manager gehen.
Wer zukünftig nicht den Suchmaschinen-Betreibern „hinterher rennen“ möchte, sollte sich mit User Experience Optimization (UXO) und einer nachhaltigen Content Strategie befassen – denn Content is King, Marketing is Queen und User Experience is our Princess!